06.10.2026 – Schöne Aussichten
Vor fast zwei Wochen durfte ich in Würzburg einen Workshop halten. Das Gebäude verwinkelt. Ein wenig wie Hogwarts. Ich wurde geführt, ich hätte mich sonst verlaufen. Einziger Unterschied zu Hogwarts: die Treppen bewegen sich nicht.
Wir hatten einen Raum mit Dachterasse und konnten von dort den Weinberg und die Festung bewundern. Das Wetter zeigte sich von seiner schönsten Seite mit blauem Himmel und viel Sonnenschein. Die Teilnehmer*innen verbrachten die Gruppenarbeiten auf den Terrassen bzw. Balkonen.
Übernachtet habe ich ein wenig außerhalb von Würzburg in einem Weindorf. Überall gab es Schilder mit Federweißer. Ich folgte den Schildern nicht.
Jedoch folgte ich einer Treppe hinunter zu einem Café. Es hatte im September erst eröffnet. Man kann dort Kaffee, Kuchen essen als auch andere Köstlichkeiten zu sich nehmen und nebenbei auch Einkaufen. Eine Art Tante Emmaladen mit Speis und Trank. Ich nutzte einen der Außenplätze. Bekam Kaffee und Waffelpommes mit Zwetschgenmus. Sehr fein. Schaute Kindern beim „Träning“ zu. Sie nutzten die Fahrradschräge neben der Treppe als Rutsche, das Geländer und die gegenüberliegende Mauer als Turn- und Klettergerüst für Dehnübungen und andere Turnübungen.
Das Hotel lag im Tal, die Kirche lag seitlich darüber. Von dieser hatte man einen wunderbaren Blick auf die gegenüberliegenden Weinberge, die gerade im Sonnenuntergang verschwanden.
Werkstattarbeit
Meine Pause ist jetzt offiziell beendet. Die Arbeit hat mich wieder. Die nächsten Wochen sind gefüllt mit Vorbereiten und halten von Workshops – Online und in Präsenz. Zwischen Krankenhaus, Wohnung des Patienten und unserem ganz normalen Leben, versuche ich irgendwie meine Arbeit unterzubringen. Es fühlt sich nicht gut an. Zwischen allen Welten zu pendeln.
Inzwischen stehe noch früher auf als sonst. Allerdings wurde die To Do-Liste sehr kurz. Es stehen nur noch die wirklich wichtigen Dinge drauf. Also die Prios, die zuerst gemacht werden müssen. Alles andere kann warten. Was in zwei Wochen ist interessiert mich nicht. Ich arbeite exakt an den Terminen, die als erstes anstehen. Gezieltes arbeiten. Fokusiert auf eine große und eine kleine Fortbildung. Danach sehen wir weiter. Auch eine gute Lernerfahrung.
Ein weitere Lernerfahrung. Ich habe mein Honorar erhöht und null schlechtes Gewissen, nicht ein Fünkchen. Gutes Zeichen.
Nein, so leicht fiel mir das nicht. Ich habe viel mit Zahlen experimentiert. Auch im Backend auf meiner demnächst neu gestalteten Website Honrare hinterlegt. Dann eines Nachts, die Glühlampe und ein wohliges Gefühl. Es hielt bis zum Schreibtisch. Ich schrieb die Zahl auf. Rechnete noch ein wenig mit Minus und Plus Umsatzsteuer und Fahrtkosten und und. Dann stand fest, dass ist mein zukünftiges Honorar. Extra Fahrtkosten, extra Übernachtungskosten. Ein Honorar, das Luft lässt.
Gestärkt durch dieses Gefühl gleich bei einem Auftraggeber ebenfalls ein neues Honorar für 2027 eingereicht. Bin gespannt, was passiert.
Weiterbildung
Ach ja, hatte ich schon erwähnt, dass ich mich für ein paar Weiterbildungen angemeldet habe? Mir flutscht einiges durch in letzter Zeit. Freue mich wie ein Schneekuchenpferd. Die erste startet jetzt im Oktober. Die große Weiterbildung dann im Januar 2027. Viel Vorfreude.
Pendeln
An einem Freitag vor drei Wochen wurde der Patient als Wohlauf aus dem Krankenhaus entlassen. Wir befanden, dass er gar nicht wohlauf war. Seine Beine voll mit Wasser, noch immer mit Schwächeanfällen verbunden. Er traute sich nicht mehr ohne Stütze zu laufen. Überall wo er ging hinterließ er Pfützen. Nur ein Hausarzt war nicht mehr zu bekommen, obwohl wir bereits am Tag zuvor vorsprachen. Aussage: „Solange wir keinen Arztbrief haben und er noch im Krankenhaus ist können wir nichts machen“. Wir zweifelten. Am Freitag sprachen wir nochmals vor. Sowie wir den Arztbrief hatten. Legten diesen vor. Wir versuchten noch mit Bildern von Beinen und Wunden am Bauch die Notlage klar zu stellen. Doch vergebens.
Ja, wir hätten den Bereitschaftsdienst anrufen können, auch die 112 wählen. Doch es ging ja auch darum, dass ein Hausarzt kommt und weiteres in die Wege leitet. Der Sozialdienst des Krankenhauses war ja abgetaucht. Scheinbar arbeiten alle dort nur am Vormittag. Ab 13 Uhr ist es schwer jemanden zu erreichen. Im Arztbrief standen seltsame Sachen, die so nicht stimmten.
Als die Hausärztin nach dem Wochenende kam, den Patienten untersucht hatte, wies sie ihn umgehend ins Krankenhaus ein. Wir waren uns zumindest in dem Punkt einig, dass die Entlassung unverantwortlich war. Es gab noch ein paar Diskussionen wegen einiger Aussagen im Arztbrief, die noch auf einem Stand beruhten der damals vor zwei Wochen war. Also nichts mit der aktuellen Lage und den Wünschen des Patienten zu tun hatte. Sonst wäre eine ambulante Versorgung über einen Pflegedienst in die Wege geleitet worden. So hatte man das Problem, wie alles andere auch, an den Hausarzt übergeben.
Jetzt ist der Patient wieder seit drei Wochen im Krankenhaus. Die Beine sind wieder abgeschwollen. Noch immer offen, weil man sich hier nicht ganz einig ist, wie man diese behandeln soll. Die einen sagen, sie sollten ohne Verband heilen können, die anderen sagen, dass sind alte Methoden. Kommt der eine wird kein Verband angelegt, kommt der andere wird ein Verband angelegt.
Die Wunden heilen langasam, die Seele leidet.
Eine weitere Diagnose brachte weitere Medikamente. Die Sepsis zeigt ihre Nachwirkungen. Die Medikamente verurschen weitere Probleme und irgendwie dreht sich alles im Kreis. Wir beobachten mit Sorge das gesundheitliche Auf und Ab des Patienten. Fragen uns, wie es weitergehen soll. Innerhalb von diesen knapp zwei Monaten ist der Patient von einem rüstigen über 80jährigen zu einem sehr sehr alten Mann, der irgendwie dahinschwindet und mit dem körperlichen dahinschwinden auch keinen rechten Lebensgeist mehr hat. Nächste Woche wird der Patient entlassen. Ambulante Pflege in die Wege geleitet. Wir sind gespannt.
Genießen Sie den Tag, die Zeit.
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