Werkstatt
Nachdem ich ja nun eine von den Mensch*innen bin, die in Kitas ganz praktisch Medienkompetenz vermitteln darf, führte mich die Arbeit zu einem ersten Coachingtermin in eine Kita, dessen Team ich mit den Apps zu Audio- und Fotoarbeiten, die leicht mit Kindern im Alltag umsetzbar sind, begeistern konnte. Es folgen weitere Coachingtermine.
Am nächsten Tag führte mich mein Weg für zwei Tage nach Augsburg zum Vernetzungstreffen. Ich fuhr hier bei blauem Himmel und Sonnenschein los, bis nach Treuchtlingen wurde es immer diesiger und verdichtete sich zunehmend zu dickem Nebel. Mich wundert, dass niemand mehr die Funktion von Nebelscheinwerfern kennt. Manch einer verließ sich auf sein Tagesfahrlicht und leuchtete am Heck gar nicht. Bei dichtem Nebel blöd für den nachfolgenden. Manch Fahrzeug war nur Schemenhaft zu erkennen.
Wir wurden gut mit Kaffee, Brezeln, Kuchen, Frühstück, Mittag- und Abendessen versorgt. Am ersten Tag wurde uns noch Mut gemacht, dass die Kampagne weitergeht. Am nächsten Tag erfuhren wir, dass die Finanzierung der Kampagne gecancelt wurde. Nachdem ich neu dabei bin, hat es mich nicht so hart getroffen, wie diejenigen, die schon seit mehreren Jahren dabei sind. Trotzdem wäre es schön gewesen, wenn es weitergegangen wäre.
Nichtsdestotrotz haben wir einen weiteren Termin für April 2027 in Augsburg bekommen. Ich hoffe sehr, dass er auch stattfindet. Im Juli, diesen Jahres, ist noch ein Vernetzungstreffen geplant. Manch einer überlegt schon, wie wir diese zwei Tage verbringen um würdig Abschied zu feiern. Ich bin gespannt mit welchen Nachrichten wir im Juli beglückt werden. Denn niemand will dieses Projekt sterben sehen. Am letzten Tag arbeiteten wir an Ideen, wie unsere zukünftigen Dienstleistungen aussehen könnten und wie Mediencoach und Kita zusammenkommen.
Augsburger Puppenkiste
Am Morgen des zweiten Tages schnappte ich mir meine Fotoakamera und spazierte eine kleine Runde durch das Viertel. Mein Weg führte mich am Laden der Augsburger Puppenkiste vorbei. Die berühmte Augsburger Puppenkiste selbst befindet sich auf der anderen Seite, an der ich achtlos vorbeilief. Ja, die berühmte Augsburger Puppenkiste, die viele Kinder verzückt vor dem Fernseher sitzen ließ, um den Abenteuern von Jim Knopf und Lukas, dem Lokomitvführer zuzusehen oder Urmel aus dem Eis, Kater Mikesch und die vielen anderen Märchen und Geschichten rund um Kasperl und Räuber Hotzenplotz.
Auch den Laden hätte ich fast übersehen. Auf dem Hinweg zum Tor ging ich am Theater sowie am Laden achtlos vorüber. Erst auf dem Rückweg, als ich eine Weile vor dem Tor verweilte und mir die Straße ansah, entdeckte ich das Schaufenster und das Schild. Vom Theater gibt es kein Bild, das Theater habe ich wirklich übersehen.
Vielleicht ergibt es sich ja im nächsten Jahr, der Kiste einen Museumsbesuch abzustatten oder eine Vorstellung zu besuchen.





Garagenfund
Irgendjemand hier im Haus kam auf die Idee das Motorrad, mein Motorrad, welches nun seit 20 Jahren in der Garage ein kümmerliches dasein fristete, zu verkaufen. Es meldete sich mehrere Menschen. Einer davon kam, sah und siegte.
Nun stand das Motorrad ein wenig eingebaut, um es zu befreien, musste Platz geschaffen werden. Dieses Platz schaffen hat dazu geführt, dass wir jetzt seit Donnerstag damit beschäftigt sind die Garage aus- und wieder einzuräumen. Mit gleichzeitigem Aufräumen und leider wenig ausmisten.
Am Donnerstagabend saß ich zum letzten Mal auf meinem Motorrad. Ein Gefühl der Freiheit wehte um mich, auch wenn ich es nur in den Hof schob, damit es dort auf den neuen Besitzer treffen konnte. Ein wenig Wehmut überkam mich, weil all die Erinnerungen wach wurden, als ich noch aktiv Motorrad fuhr. Nein, ich machte kein letztes Bild.
Ja, ich befinde mich in Trauer. Wieder ein Stück meines Lebens, das mal ein anderes war, verabschiedet.
Werkstatt, die Zweite
Mein Tagesablauf sieht im Augenblick so aus, dass ich Vormittags, meist ab 8:00 Uhr am Schreibtisch sitze und Nachmittags dann in der Garage helfe. Meist mit einem Eimer Waschwasser bewaffnet, um irgendwelche Sachen von Staub zu befreien. Die meiste Zeit stehe ich da und gucke zu, wie MonAmour versucht, seine Ordnung neu zu sortieren, was mit begrenztem Platz nicht einfach ist. Mehrere auseinandergeschraubte Autos, nehmen einfach mehr Platz ein, als ein zusammengeschraubtes Auto. Es hilft auch nicht, hier groß zu versuchen mögliche Lösungen anzubieten, da weder Keller noch Haus weitere Kapazitäten bieten. Wir haben hier noch keine Ludolfschen Ausmaße, der Weg dorthin ist allerdings beschritten. Und ja, wir suchen noch immer nach einer bezahlbaren Lösung für unser Wohn- und Lagerproblem. Und nein, wir möchten keine weiteren Baustellen aufmachen.
Das Hirn, ein faszinierender Speicher
Die Garage ist für die Zeit, in der sie gebaut wurde, schon sehr großzügig bemessen. Durch die Tore würden vermutlich keine heutigen SUV’s kommen, Innen jedoch wäre dafür genug Platz. Doch Platz ist begrenzt, vor allem wenn auch noch schwere Sachen herumstehen. Nein, fragen Sie nicht.
Im Zuge der „Mehr Platz – bessere Ordnung“ Aktion führte der Weg auch in diverse Baumärkte. Dabei entdeckte ich eine interessante Hirnleistung. Die schweren Sachen stehen auf Rollbrettern, damit man sie besser bewegen kann. Im Lauf der Jahre jedoch sind diese Bretter, auch durch eindringende Nässe, aus dem Leim gegangen. Daher mussten neue her. MonAmour fragte, wo wir die Bretter gekauft hatten. Ohne nachzudenken schoß es aus mir heraus beim „Bahr“ (ein Baumarkt, den es schon seit Jahren nicht mehr gibt). MonAmour: „Gibt es schon lange nicht mehr, kann nicht sein.“ Ich bzw. mein Hirn war völlig davon überzeugt. Ließ es jedoch dabei. Wir fuhren und liefen durch drei Baumärkte. Überall fanden wir etwas. Allerdings erst im letzten Baumarkt fanden wir in der Restekiste, passende Siebdruckplatten. Es waren insgesamt fünf Stück genau in der Größe, die MonAmour brauchte. Wir verzichteten also auf fertige Rollbretter. Dafür fuhren wir wieder zu Baumarkt zwei, um dort Rollen zu erstehen.
Zuhause stellten wir fest, dass die alten Rollbretter tatsächlich vom Bahr stammten. Was mich dabei erstaunte, war, dass mein Hirn diese Info tatsächlich irgendwo abgespeichert hatte und mich mit einer Selbstsicherheit austattete, die mich mehrmals sagen ließ, wo wir diese Bretter gekauft hatten. Ich wich auch nicht ab. Vielleicht vergisst das Gehirn ja doch nichts, nur wir Menschen können uns oft nicht mehr erinnern.
In solchen Momenten, wünschte ich mir allerdings, ich würde mich auch an all die gelesenen Texte von Fachbüchern erinnern, wenn ich sie gerade bräuchte, um zu argumentieren, warum es für Kinder gut ist, wenn…. Es würde so manchen Wind aus den Segeln nehmen. Manchmal läutet tatsächlich eine Glocke und eine Synapse meldet sich, doch die Verbindung ist zu vage. Da wünsche ich mir dann diese Sicherheit, wie bei der Nennung des Baumarkts.


