25.08.2026 – Sommerpause? Ab 80 – Abschreibung?
Sommerpause?
Mein Mann und ich pendeln gerade zwischen Zuhause und Krankenhaus, Krankenhaus und Wohnort des Patienten und Zuhause.
Wir machten uns große Sorgen.
Nachdem der Patient vor einer Woche nach einer OP gesund und munter entlassen wurde, verschlechterte sich sein Zustand ab Dienstag zusehends. Er fuhr am Entlassungstag auch schon wieder mit dem Rad zum Einkaufen. Am Mittwoch kam ein Anruf. Wir müssen kommen, er sei umgekippt. Wir kamen, stellten ihn wieder auf die Füße, konnten noch normal mit ihm reden. Das Prozedere wiederholte sich die nächsten Tage, der herbeigerufene Hausarzt half mit Rezepten aus. Bei der dritten Wiederholung sprachen wir ein ernstes Wort mit dem Patienten, der dann selbst die Rettung rief. Die brachten ihn ins Krankenhaus. Noch immer konnte er sich verständlich artikulieren. Es waren die Schwächeanfälle, die uns und ihn sorgten sowie die Schmerzen im ganzen Körper.
Am Abend besuchten wir ihn auf der Station brachten Dinge vorbei. Da fielen uns erste Anzeichen verwaschener Sprache auf. Einen Arzt konnten wir nicht mehr sprechen.
Am Tag darauf bestanden wir auf ein Gespräch mit dem zuständigen Arzt. Denn der Patient war zunehmend desorientiert, verlangsamt, in der Aussprache kaum noch verständlich.
Wir waren alarmiert, in noch größerer Sorge.
Das Gespräch mit dem Arzt verlief, nun ja, suboptimal. Wir bekamen erklärt, was gemacht wurde, wir mussten erklären, dass der Zustand des Patienten nicht normal ist und sich über Nacht ziemlich verschlechtert hatte. Nein, er war vorher weder verwirrt noch desorientiert, hatte keine verwaschene Aussprache. Am Abend zuvor deutete die Krankenpflegerin eine Sepsis an. Ich googelte die Symptome des Patienten mit der schweren Infektion. Die KI brachte ebenfalls eine „kalte“ Sepsis ins Spiel. Wir sprachen den Arzt daraufhin an. Dieser versteifte sich darauf, dass eine Sepsis ja immer mit Fieber einhergehe. Es ließ nicht davon ab.
Am Ende blieben wir mit einer vagen Zusage über weitere Untersuchungen zurück und hatten im Verlauf des Nachmittags zunehmend das Gefühl „der lästigen Angehörigen“.
Am nächsten Tag sammelten wir Beweise für den dramatischen geistigen Abbau des Patienten. Ja, der Patient ist über 80 Jahre, doch er hat bisher noch alles gut alleine erledigen können und die Menschen um ihn herum konnten ihn gut verstehen. Er redete auch nicht zusammenhangslos daher. Vor seiner OP, die jetzt eine Woche her ist, fuhr er mit dem Rad zum Hausarzt, zum Einkaufen, zu seiner Wiese, um seinem Hobby nachzugehen, zu uns.
Wir sprachen mit dem Hausarzt. Kontaktierten erst die Station zwecks weiterer Informationen und Verlauf der Behandlungen. Kamen leider zu keinem Ergebnis. Es wurde uns zugesichert, dass ein Neurologe den Patienten untersucht, aber ob heute oder morgen, wer weiß das schon. Danach kontaktierte MonAmour die Beschwerdestelle des Krankenhauses. Daraufhin bekamen wir ein Gespräch mit einem zuständigen Arzt. Er erklärte, wir erklärten. Ja, wir kommen heute noch vorbei.
Innerhalb einer Stunde rief dann der Patient selbst an. Die Kommunikation wieder etwas klarer. Noch immer beunruhigend.
Später im Krankenhaus
Der Patient war wieder klar zu verstehen. Zwischendrin noch immer verwirrt. Auch der Eigensinn war wieder da. Eine Schwester, die wir trafen, fragten wir nach dem zuständigen Arzt und baten um ein Gespräch. Wir hatten einen Zeitraum genannt bekommen, von wann bis wann ein Arzt auf Station ist. Das Verhalten der Pflegerinnen uns gegenüber, sehr verhalten. Der Wunsch des Patienten nach einem wärmeren Wasser wurde geflissentlich ignoriert. Erst eine andere Pflegerin ging darauf ein. Auf der Wasserflasche war bereits ein Vermerk, dass das Wasser erwärmt sein soll und nicht eiskalt. Möchten wir böses unterstellen …
Wir verweilten solange beim Patienten bis ein Arzt zu sprechen war. Das Gespräch verlief für uns alle zufriedenstellend. Wir wissen jetzt, so dachten wir, was die Verwirrtheit und die verwaschen Sprache verursacht hat. Hier kamen zwei Dinge zusammen, die schwere Infektion, die sich nach der Entlassung entwickelte und Wassermangel. Wir kennen den weiteren Behandlungsplan. Für den Notfall hatten wir die Vorsorgevollmacht dabei. Wir brauchten sie nicht. Wir gingen freundlich auseinander, bedankten uns für die Information.
Auf dem Weg nach unten kamen wir an Pflegerinnen vorbei, das Gespräch wurde leiser, wir wurden beäugt. Wir könnten jetzt böses denken … wollen wir aber mal nicht tun.
Es ärgert mich, uns, dass wir erst Rabbatz machen mussten, um zu verdeutlichen, dass etwas nicht stimmt, um Antworten zu bekommen, um Gespräche zu bekommen, um im Beisein des Patienten informiert zu werden.
Die Erfahrung hat bei mir dazu geführt, dass ich eine Vorsorgevollmacht erteilt habe sowie eine Patientenverfügung unterschrieb. Formulare gibt es bei den Verbraucherzentralen.
Ein Anruf
Am Nachmittag, also heute, bekamen wir zwei Anrufe. Einer vom Patienten, der uns die Laborergebnisse mitteilte. Es liegt eine Sepsis vor, neben der schweren Infektion. Er hatte wegen der Infektion Penecillin bekommen, die hat wohl die Sepsis mit eingedämmt. Jetzt wird auch diese behandelt.
Später rief der Sozialdienst an. Man könne den Patient aufgrund seiner medizinischen Indikation nicht auf der geriatischen Station aufnehmen. Ob er denn einen Pflegegrad hätte, ob wir einen beantragen mögen. Wieder erklärten wir, dass der Patient bisher sehr gut allein zurecht kam, erst im Verlauf der Woche aufgrund der Infektion und Sepsis so abgebaut hatte, er jetzt schon wieder mit seinen Krücken herumlaufe, die er vorher auch nicht gebraucht hatte. Er am Montag noch Rad fuhr, sich gut selbst versorgen konnte und wir hoffen, dass dies wieder so sein wird.
Ehrlich – ich hatte nicht das Gefühl, dass der Sozialdienst uns glauben schenkte. Er erklärte sich nochmals bereit, falls es notwendig sein sollte, uns beim Beantragen eines Pflegegrads zu helfen. Denn man müsse ja entscheiden, was geschieht, wenn er entlassen wird, was ja schnell geschehen kann, da ja die Station nur für Akutbehandlungen sei.
Bisher haben wir zusammen mit dem Patienten immer eine Lösung gefunden, wenn nach Krankhausaufenthalten, wie beispielsweise nach dem Radunfall, eine Pflege oder Reha angesagt war. Wir werden, wenn notwendig wieder eine Lösung finden.
Verstehen Sie mich nicht falsch, aber mir zeigt das ganze, eigentlich nur, wie verloren alte Menschen in diesem Krankensystem sind, wenn niemand da ist, der für sie einsteht. Wie schnell sie als Pflegefall behandelt werden, ihr Zustand, als „normal“ eingestuft wird, obwohl er nicht normal ist.
Es hat mich auch erschreckt, als ich am Sonntagabend mit einer Dame sprach, die ebenfalls 80 Jahre alt ist, und die all dies bestätigte mit einem Satz: „Wenn du alt bist, bist du abgeschrieben“. Sie erzählte mir dann noch ein paar Krankenhausgeschichten dazu und ich frage mich, weshalb wir so mit unseren „Alten“ umgehen. Viel erschreckender ist eigentlich, dass diese Geschichten keine Einzelfälle sind.
Bitte passen Sie gut auf sich und Ihre Angehörigen auf.
Geben Sie einer Person Ihres Vertrauens eine Vorsorgevollmacht, damit diese für Sie kämpfen kann, können, wenn Sie es selbst – akutell – nicht mehr können.
