Auf jeden Fall Erholungszeit für Körper und Seele.
Erholungszeit
Nachdem ich am Pfingstmontagmorgen nochmals mit dem linken Fuß umgeknickt bin, war ich am darauffolgenden Tag bei Frau Doktor. Seitdem schone ich den Fuß, habe festgestellt, dass ich auf Ibuprofen, jedenfalls mit der Zusammensetzung, die Frau Doktor mir verschrieben hat, allergisch reagiere. An den Außenseiten meiner Oberarme fanden sich rote Quaddeln unterschiedlicher Größe. Ich schmiere den Fuß regelmäßig mit einem Schmerzgel ein, habe eine Bandage verschrieben bekommen, die ich im Sanitätshaus bestellte, abholte und jetzt trage, lege den Fuß regelmäßig hoch und erhole mich.
Von Pfingsten bis heute keine großen Gedanken an die Arbeit verschwendet. Dafür lese ich meine Rezensionen.
Vor einiger Zeit glaubte ich ein Buch bekommen zu haben, dass ich seitdem Auspacken nicht mehr finde. Ein Rezensionsexemplar. Inzwischen haben ich das Buch nachgekauft. Als ich es auspackte, war ich mir nicht mehr sicher, ob ich das Buch überhaupt bekommen habe. In meiner Erinnerung war es größer und nicht mit einem festen Einband. Vielleicht habe ich es aber auch nur geträumt, oder die Leseprobe ist so sehr in meinem Gedächtnis haften geblieben, dass sich digitale Leseprobe und ein anderes Buch in ähnlicher farblicher Aufmachung einfach vermischten. Keine Ahnung.
Vielleicht habe ich es wirklich nur verlegt. Im schlimmsten Fall mit der Verpackung entsorgt. Mein Hirn hat im Mai nur noch im Stressmodus funktioniert. Teilweise mit viel Überforderung, also Symptomen von Burnout. Da würde mich so eine Aktion nicht wundern. Teilweise in positiver Weise. Doch war jede andere Anforderung an mich von Außen schon zuviel.
Eigentlich wollte ich ja mal wieder so eine gründliche Aufräumaktion starten. Nachdem ich jetzt immer nur vor und nach den Workshops Koffer gepackt und geleert habe, muss jetzt mal wieder Ordnung ins System. Die Moderationstasche ist bereits für den nächsten Workshop aufgefüllt und vorbereitet. Allerdings geht mit dem Fuß nur gerade nicht viel. Treppe rauf, Treppe runter und das mehrmals hintereinander möchte ich mir erstmal sparen. Der Fuß soll sich erholen. Die Schwellung geht auch langsam zurück. Immerhin frühmorgens sieht mein Knöchel schon fast wieder so aus, wie vor dem Umknicken. Wenig Schwellung und der Knöchel steht auch nicht mehr so raus. Deshalb noch weitere Schonung und ja, tatsächlich auch Spaziergänge, wenn notwendig, mit Krücken zur Entlastung.
Frau Doktor diagnostizierte einen Verdacht auf Bänderriss, zumindest aber eine Überdehnung. Kommentar zu „Ich bin nochmals umgeknickt“: „Der Klassiker.“ Es scheint also gar nicht so selten zu sein, dass instabile Knöchel nachdem man mal umgeknickt ist, nochmals dazu zu neigen umzuknicken. Ich werde die Bandage jetzt länger tragen und in ein paar Tagen mit stärkenden Übungen anfangen.
Eine Arbeitsmail erinnerte mich an den nächsten Termin. Kurz in den Arbeitsmodus verfallen. Mein Hirn ist jedoch im Urlaubsmodus geblieben und stellte fest, dass der nächste Montag ein guter Zeitpunkt ist, um sich intensiver um den Termin zu kümmern.
Werkstattarbeit
Vor der Erholungszeit, die exakt mit dem Pfingstwochenende startet, war ich noch bei einem Kunden. Insgesamt haben wir drei Tage miteinander. Zwei Tage haben wir schon miteinander verbracht, ein dritter folgt im Juli.
Der Workshop begann gleich nach der Begrüßung mit einem Konflikt. Hallejuha, wo bin ich da nur hingeraten. Mein erster Gedanke. Ich ließ das PingPong erstmal zu. Verstand die Teamseite sehr gut und fragte mich, warum mein Auftraggeber sich das Leben so schwer macht. Mein einziger systemischer Gedanke dazu: Es ist wie es ist, wie es ist. So kommunzierte ich das, dann auch. Ja, es ist ärgerlich. Ja, es ist auf ihrer Seite unverständlich, auf ihrer Seite haben sie gute Gründe dafür. Doch jetzt ist es, wie es ist und wir werden es nicht auf die Schnelle lösen können.
Dann führte ich in die Tage ein. Wir hatten ja noch weiter schwierige Themen zu bewältigen. Der Auftraggeber hat Entscheidungen getroffen, die er jedoch nicht als solche kommunizierte, sondern als „ihr habt ja noch Mitsprache, aber eigentlich …“. Während ich den Workshop vorbereitete, mit meiner Kollegin brainstormte, wie am besten angehen. Wurde mir immer klarer, dass die Entscheidung schon längst gefallen war, nur nicht genauso kommuniziert. Chefs sind nunmal Chefs und können auch unpopuläre Entscheidungen treffen. Sie sollten es dann jedoch auch so kommunizieren.
Bevor ich jedoch dazukam, stellte ich erstmal die Changekurve vor. Ließ die Teilnehmer*innen sich platzieren, fragte jeden danach, was er auf dieser Position braucht, um gut mitgehen zu können. Zeigte auf, dass es Rituale und Zeit für Abschied und Trauer braucht. Ein Teil des Teams war schon voll im Veränderungsmodus, andere noch in „rational akzeptiert“. Ein Anliegen: Antworten auf Fragen.
Zwischendurch wurde es sehr emotional. Wir machten eine Pause. Ich gab Zeit und Rat.
Danach kam der unangenehme Teil, eine Entscheidung, die getroffen war, zu erklären. Systemisch bediente ich mich verschiedener Figuren erklärte Variante 1 und dann Variante 2, die schon entschieden war. Im Prinzip ging es darum diese Variante sinnvoll und nachvollziehbar zu erklären. Spürte den Widerstand. Zwischendrin eine Frage, die mich irritierte und nichts mit dem Thema zu tun hatte, jedoch so gestellt wurde, dass ich mich fragte, was eigentlich wirklich gemeint ist. Ich wurde deutlicher.
Es ist immer für alle Beteiligten schwierig, wenn Abteilungen aufgelöst werden und umverteilt werden sollen, bzw. Abteilungen überhaupt neue Aufgaben bekommen und komplett neu verteilt werden. Die sinkenden Kinderzahlen führen entweder zu Kündigungen, oder zu neuen Ideen. In diesem Fall zu einer pädagogischen Weiterentwicklung und Neuausrichtung mit der Reduzierung von Gruppen ohne Kündigungen.
Es war ein intensiver Vormittag. Am Ende des Tages ließ ich mir ein kurzes Blitzlicht geben. Am nächsten Tag starteten wir mit Raumgestaltung und weiteren Zuteilungen. Planten Hausaufgaben.
Am Ende des Tages bekam ich ein wunderbares Feedback. Tief berührt fuhr ich nach Hause. Freue mich auf den dritten Tag in einem Monat. Bin gespannt, was sie mir erzählen.
Es hat mir viel Freude bereitet mit dem Team mitzugehen, es auf den Weg zu bringen, die Widerstände aufzunehmen, ihre Vorbehalte zu verbalisieren. Irgendwie ist der Wunsch entstanden, mich mit der Prozessbegleitung noch intensiver auseinanderzusetzen. Noch mehr Hebammenarbeit leisten zu wollen. Den Weg fortzuführen. Ich muss jetzt nur noch meinen Weg dazu finden.
Im Augenblick trete ich ein wenig auf der Stelle. Das mit den Fortbildungen ist irgendwie ganz nett. Doch merke ich, dass es mir nicht mehr reicht. Ich möchte mehr. Ich weiß nur noch nicht, was dieses mehr ist. Wie es genau aussieht. Damit muss ich erstmal schwanger gehen.
Zaungeplauder
Wir haben den Garten schön.
Die Kartoffeln wachsen. Das Gemüse hat inzwischen seinen Platz in den Beeten gefunden. Die Geranien hat MonAmour aus dem Winterquartier gebracht. Ich habe sie ein wenig gestutzt und die welken Blätter entfernt. Er hat sie dann rund um die Terrasse verteilt.
Für ein wenig mehr Blumen im Garten sind wir ins Gartenzentrum gefahren. Die Schilder dazu hatten wir schön öfter gesehen. Jetzt am Freitag waren wir erstmals da und befanden es für wunderschön. Wir wissen jetzt was große Bäume kosten und kleine Setzlinge, die noch Bäume werden wollen. Wir überlegen in das Geschäft einzusteigen. Die Kastanien wären jetzt soweit, dass sie richtig Geld bringen. Man kann dafür ja echt ein Vermögen ausgeben. Scherz beiseite. Wir fanden ein paar weitere Gemüsepflanzen, Nelken und Tagetes. Die jetzt in der neugestalteten Rabatte ihren Platz gefunden haben als auch in dem Beet vor der Terrasse. Die ein oder andere Tagetes fand ihren Platz in den Salatbeeten, da dort immer wieder Salate verschwanden. Drahtwürmer nagten sie an. Seitdem die Tagetes dort wohnen ist Ruhe.
Dieses Jahr erstmals Artischocken gepflanzt. Selbst gezogen. Ich bin gespannt, wie sie sich weiter entwickeln. Ein großer Teil meiner Aussaat hat sich leider ins Nirvana verabschiedet, weshalb wir auf die Pflanzen im Gartenzentrum und bei Norma zurückgriffen. MonAmour behauptet steif und fest, die Drahtwürmer sind mit importiert. Ich weiß jedoch, dass wir sie schon im Garten haben, wer nicht. Die Kartoffeln hatten eindeutige Fraßspuren letztes Jahr. Gefunden hatten wir im Beet auch den einen oder anderen. Daher ist die Tagetes eine gute Wahl.
Im Gartenzentrum steht noch eine Rose, in die sich MonAmour schockverliebte. Wenn ich demnächst wieder mobil bin, werde ich mich dort kundig tun. Unser Sorgenkind, das Terrassenbeet neben der Terrassentür braucht noch viel Liebe. Die Rose würde sich da gut machen, zusammen mit Lavendel. Die Walderdbeere müsste dann weichen. Doch dafür braucht es noch Vorbereitungen.
Gelesen
„Die Burg“ von Ursula Poznanski. Die Autorin beschäftigt sich in ihren Büchern immer wieder mit digitalen Medien. Diesmal ist die KI oder „KIsmet, wie die Protagonisten sie nennen, Hauptdarstellerin. Eine Gruppe von Menschen wird auf eine Burg eingeladen um ein KI-gestütztes Escape-Spiel zu spielen und am Ende ihre Meinung dazu zu sagen. Alles ist ein fröhliches Abenteuer und endet in einer eingeschlossenen Burg aus der KIsmet scheinbar niemanden mehr entkommen lässt. Die KI scheint komplett das Kommando übernommen zu haben und selbst die Administratoren, die das Spiel über Monitore beobachten, in die Irre zu führen und aus dem System auszuschließen. Niemand kommt aus der Burg raus und keiner mehr hinein. Spannend bis zum Ende. Eine KI, die auf sehr eigenwillige Weise, das macht, was man ihr auftrug.
Gehört
Karin Kuschik „50 Fragen, die das Leben leichter machen“ und „50 Sätze, die das Leben leichter machen“. Manche Fragen haben es echt in sich. Bei den 50 Sätzen muss ich nochmal nachhören. Manches irritiert mich. Andere dürften in manchen Situationen hilfreich sein. Karin Kuschik führt mit viel Humor und Zuversicht durch die beiden Hörbücher.
Da ich beide Hörbücher vorwiegend abends im Bett höre bzw. morgens, wenn ich gegen 4 Uhr aufwache und oft wieder einschlafen. Hörbücher haben so ein Wirkung auf mich, wie Gute Nachtgeschichten früher. Muss ich diese nochmal hören. Da ich viele Teile einfach verpenne.
